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Häusliche Gewalt: Anstieg der Strafanzeigen

Die Ärztekammer NRW berichtet, dass die Zahl von Strafanzeigen mit dem Tatvorwurf häuslicher Gewalt über die letzten 10 Jahre dramatisch zugenommen haben. Ob das auf eine Verbesserung des Opferschutzes und der Bereitschaft der Opfer, häusliche Gewalttaten anzuzeigen, oder auf einen tatsächlichen Anstieg der Fälle zurückzuführen ist, kann man nicht sagen.

Auf der Internetseite des ZDF findet sich hier eine knappe Zusammenfassung. Der Artikel beginnt reißerisch mit der Behauptung: „Häusliche Gewalt nimmt immer mehr zu“. Das aber kann man alleine mit den verglichenen Zahlen gar nicht belegen. Kurz darauf relativiert : „Grund für den Anstieg sei nicht nur eine reale Zunahme an Gewalttaten“ – Zwangsläufig, denn die Dunkelziffer wird hoch geschätzt, ist aber unbekannt. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass einzelne Beschuldigte zu Unrecht verdächtigt werden, also gar keine Straftat vorlag. Hier wäre es aussagekräftiger gewesen, hätte die Ärztekammer NRW die Zahl entsprechender Verurteilungen zu Grunde gelegt.

Das bedeutet natürlich auch nicht, dass es keinen Anstieg häuslicher Gewalt gegeben hat, aber das ist mit diesen Zahlen einfach nicht nachweisbar. Ich finde reißerische Schlussfolgerungen immer bedenklich, weil sie die Diskussion verfälschen und der Findung angemessener Lösungen eher noch im Weg stehen.

Diese Zahlen kann man auch so interpretieren, dass die Bereitschaft der Opfer, Täter anzuzeigen, zugenommen hat – und das wäre ein großer Fortschritt im Kampf gegen ein Verbrechen, das vorzugsweise hinter verschlossenen Türen begangen wird. Zumindest sofern es sich bei den Opfern um Frauen handelt, hat eine in der deutschen Öffentlichkeit immer bereitwilliger geführte Debatte sicher einen Einfluss auf die Entscheidung, den oft langjährigen Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und den Täter anzuzeigen.

Trotzdem: Keiner weiß belastbar, wie viele Fälle von häuslicher Gewalt es in Deutschland gibt und erst Recht nicht, in wie vielen Fällen das ein systematisches Verhalten ist, was wiederkehrend oder fortgesetzt und gegebenenfalls sogar bewusst oder unbewusst gegen den Partner eingesetzt wird. Seit den 70’ern versuchen Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen unter teils erheblichen Widerständen Licht in die Wohnungen der Welt zu bringen und zu analysieren, welches Ausmaß an Gewalt in klassischen Beziehungsmodellen an der Tagesordnung ist. Einigkeit herrscht aber nur in dem Punkt, dass häusliche Gewalt ein allgemein in klassischen Beziehungsmustern verbreitetes Phänomen ist.

Die stillsten Opfer sind Männer

Ganz besonders dramatisch ist die Situation bei männlichen Opfern häuslicher Gewalt, die ja, selbst wenn sie Anzeige erstatten möchten, oft genug von der Polizei einfach abgewiesen werden und auf Grund der nach wie vor fehlenden Stigmatisierung von psychischer und körperlicher Gewalt gegen Männer auch keine anderweitige Hilfe erhalten. Dass männliche Opfer darüber hinaus in der öffentlichen Diskussion meistens gar nicht berücksichtigt werden, ist Ausdruck dieses Umstands ebenso wie es die Lage der betroffenen weiter verschärft. Diese Hilfe müsste ihnen aber geboten werden, wenn sich die Lage der Opfer verbessern sollte. Gewalt ist, gerade auch in einer Partnerschaft, keine Bagatelle.

Entwarnung kann man in keinem Fall geben. Auch wenn die wirklichen Zahlen nicht ohne Weiteres ermittelbar sind und selbst wenn es keinen tatsächlichen Anstieg geben sollte, häusliche Gewalt bleibt ein sehr verbreitet. Es bleibt sehr viel zu tun, bis das gesellschaftliche Problem der häuslichen Gewalt auch nur ansatzweise angemessen behandelt werden kann.

USA: In Kalifornien setzt Behörde Satellitennetz GPS gegen Schulschwänzer ein

Der Schulbezirk Anaheim (Anaheim Union High School District) setzt mit diesem „freiwilligen“, für sechs Wochen geplanten Pilotprojekt einen Test aus dem texanischen Schulsystem fort. Es betrifft Schüler in der 7. und 8. Klasse. Diese werden nun verpflichtet, sofern sie im laufenden Schuljahr dreimal unentschuldigt dem Schulunterricht fern geblieben sind, ein GPS-Gerät mit sich zu führen.

Mit dem Satellitennetz könnten die schwänzenden Schüler dann von den Behörden geortet werden. Außerdem erhalten die Schüler am morgen einen automatisierten Anruf, der sie zum Schulgang ermahnt.

Das aber ist nur der Anfang eines Tagesablaufes, der weniger an den von Schülern, und mehr an den von Häftlingen auf Freigang erinnert.

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