DIE LINKE. Radevormwald: Einen Tag nach Oslo – Anschlag in Radevormwald

Print Friendly, PDF & Email

Nur einen guten Tag hat es gedauert, bis die katastrophalen, christlich-fundamentalistisch und faschistisch motivierten Anschläge von Oslo (Norwegen) in Radevormwald Nachahmer gefunden hatten.

Mit Empörung weisen wir darauf hin, dass die Moschee einer unserer moslemischen Gemeinden in der Nacht von Samstag auf Sonntag, mutmaßlich gegen Mitternacht, mit Steinwürfen angegriffen wurde. Mit schweren Quarzsteinen wurden drei der vier doppelt verglasten Fenster des unscheinbaren Moschee-Gebäudes zerstört. Einer der Steine wurde mit derartiger Wucht geworfen, dass Teile absplitterten.

Wir weisen darauf hin, dass der gefasste Täter von Norwegen auch gesagt haben soll, er kämpfe gegen die Islamisierung Europas und die linksliberale Politik. Genau dieses Feindbild kennen wir von in Radevormwald aktiven Organisationen der extremen Rechten: „pro NRW“. Wir erinnern daran, dass bereits im letzten Jahr im Zusammenhang mit den durch einen Aachener Nationalisten geplanten Sprengstoffanschlägen „pyrotechnische Mittel“ bei Rechtsaktivisten auch in Radevormwald gefunden wurden. Wir stellen die Frage nach den Konsequenzen – Was ist seither getan worden, um rechten Gewalttätern Einhalt zu gebieten?

Es darf hier keine Verharmlosung mehr geben. Gerade die Gefahr, die von sich selbst so nennenden Rechtspopulisten ausgeht, darf nicht mehr unterschätzt werden. Der Täter von Oslo war bis 2006 in einer solchen Partei. Sie predigen den selben Hass gegen alles, was anders ist, wie ihre geistigen Väter im Dritten Reich. Nach den schrecklichen Anschlägen von Norwegen muss in Deutschland verstanden werden: Das Verbot aller faschistischen Organisationen ist eine akute Frage der inneren Sicherheit – Es muss sofort umgesetzt werden!

Von unpolitischem Vandalismus kann indes im Fall Radevormwald, nicht nur auf Grund der zeitlichen Zusammenhänge, niemand ernsthaft ausgehen. Der Anschlag auf die Radevormwalder Moschee war offensichtlich geplant. Die Täter mussten derart geeignete Steine vor der Tat beschaffen und zum Tatort transportieren. Wir gehen davon aus, dass aus diesem Grund „nur“ drei Steine geworfen wurden.

Kleine Städte sind nicht vor braunen Verbrecherbanden sicher. Die Menschen in Radevormwald in akuter Gefahr. Wir erinnern an den Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Hückeswagen vom 9. Oktober 1991, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft – nur durch Zufall kam damals kein Mensch ums Leben.

4 Gedanken zu „DIE LINKE. Radevormwald: Einen Tag nach Oslo – Anschlag in Radevormwald

  1. Felix Staratschek

    Chrstlich- fundamentalistischer Hintergrund? Nicht alles was die Medien schreiben ist real! Nicht jede Selbstaussage trifft zu. Wenn Christen Gewalt anwenden, gibt es dafür nur eine Scene, wo diese sich auf Jesus berufen können, er vertreibt mit der Peitsche die Händler aus dem Tempel. Das ist die einzige Szene dieser Art, die ich kenne. Christliche Fundamentalisten dürften also allenfalls in so einem begrenzten Fall Gewalt anwenden, wenn eine ihrer Kirchen von Händlern, etc. besetzt ist.

    Andererseits darf sich kein Christ anmaßen, soviel zu wissen, wie Jesus. Dieser ist duchaus zu Aussagen in der Lage, die man heute als politisch unkorrekt bezeichnen würde. Aber nur bei Jesus kann man das Wissen voraussetzen, dass er weiß, wie seine Aussage wirkt. Wir Christen sollten da vorsichtiger agieren. Von daher sollten sich Christen hüten, dieses Ausnahmeverhalten von Jesus zu kopieren. Immerhin, er hat nie getötet, aber Tote erweckt.

    Der Gründer des Islam hat viele Kriege geführt und gesagt: „Mein Reichtum kommt vom Schatten meines Schwertes“. Jesus sagte, „Mein Königreich ist nicht von dieser Welt!“
    Mohammed sagte: „Wir mich verfolgt wird getötet werden!“ Jesus sagte: „Wer mir nachfolgt wird getötet werden.

    Nicht alle Muslime sind Islamisten, aber man muss sich hüten, dass Thema Islam zu verharmlosen, da Islamismus nur eines will, den Islam, wie er in den ersten 100 Jahren prakltiziert wurde. Und da eroberten Muslime die Welt von Indien bis Südfrankreich.

    Wirklich fundamentalistische Christen, die sich auf die ersten 100 Jahre beziehen, finden kein Vorbild für Gewalt. Das es später dazu kam ist schlimm und traurig und beweißt, dass es keine Fundemnatlisten waren, die auf dem Fundament der Botschaft Jesu stehen. Dass die Kirche den Weg zur Friedlichkeit zurück gefunden hat, dürfte nicht nur Folge der Aufklärung sein, sondern auch dieses Fundamentes.

    In Radevormwald behauptet ja auch Pro NRW, das christliche Abendland retten zu wollen. Aber ich sehe von denen nie jemand in der Kirche. Und Tobias Ronsdorf hat sich ja als Ron88 auf Facebook als Anhänger des GRÖFAZ geoutet und als Anhänger des heidnischen Wikkakultes.

    Schon 1930 schrieb Fritz Gerlich über eugenische Forderungen im Völkischen Beobachter (Wenn man die 70% schwächeren eines Jahrganges – also nicht nur Juden und Slaven – umbringe, würde dass das Volk stärken!“), dass dies barabrisches Heidentum sei und kein „positives Christentum“. Letzteren Begriff nutzten die Nazis gerne, um mehr Wähler zu gewinnen. Fritz Gerlich hat es 1934 mit seinem leben bezahlt, dass er sich gegen die bedrohliche Naziideologie schon 3 Jahre vor der Machtübernahme wandte.

    In diesem Sinn: Jede Gewalt ist schlecht, seien es Steinwürfe auf Pro NRW- Autos nach einer Kundgebung, sei es ein Anschlag auf die Moschee. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt für Muslime und Rechtsextremisten. Keiner darf den anderen angreifen. Dass müsen sowohl die Grauen Wölfe und einige Autonome lernen, die damals auf der Demo am liebsten die Rechtspopulisten zerfleischt hätten, als auch unsere rechtsextreme Scene, die ja schon mehrfach durch Gewalt in Erscheinung getreten ist. Demokraten verhalten sich anders.

  2. Pingback: Antifa-Café Wuppertal » Anschläge in Radevormwald und Leverkusen

  3. Fritz Ullmann Beitragsautor

    Ich störe mich beim Christentum an zwei Dingen.
    Zum einen ist es ein Glauben; man handelt nicht nach den einem zur Verfügung stehenden Fakten sondern aus der von anderen übernommenen Überzeugung, dass eine bestimmte Botschaft, unabhängig von jedem Beweis, wahr sein müsse. In wie weit sich das Potenzial einer solchen Sichtweise von den schlimmsten Diktaturen unterscheidet, ist mir bisher nicht zu vermitteln gewesen. Zumal es mit die schlimmsten Diktaturen (in früheren Zeiten) hervorgebracht (Der Heilige Stuhl im dunklen Zeitalter) oder (in jüngeren Zeiten) gefördert, gestützt (bspw. Franco-Spanien) oder toleriert hat (bspw. Hitler-Deutschland).
    Wenn man dann an den Begriff „Fundamentalist“ denkt, so, sollte man berücksichtigen, dass dieser ursprünglich im 19. Jahrhundert für die protestantischen Sekten Amerikas geprägt wurde, die (das sicherlich zu Recht) die Entwicklung der katholischen Kirche(n) für unvereinbar mit den Aussagen von Jesus Christus hielten. Dabei störten sie sich, wie selbst mancher katholische Orden, keinesfalls nur an der militanten und despotischen Form der Machtausübung, sondern gerade auch an der offenkundigen Art, in der die katholische Kirche Reichtümer anhäufte und die Menschen auspresste. Das Katholiken und Protestanten beiderseits, wann immer sie die tatsächliche Macht ausüben oder dieser nur nahe kommen, in solche Formen ausarten, das ist dann der zweite Punkt: Die Praxis.
    In der Realität waren all die edlen Worte stets schnell bei Seite gefegt, und, ganz im Gegenteil, jedes Gebot dürfte gebrochen werden, sofern es der eigenen Macht diente. Denn das man herrschte, das war schließlich Gottes Wille.
    Aus dieser Sicht ist auch die Kritik am Islam zynisch. Zwar hat der Islam grundsätzlich die gleichen Fehler wie jeder andere Glaube und ist ebenfalls eine monotheistische Religion, aber in der Praxis war er in seinem Herrschaftsbereich keinesfalls grausamer. Da tut man sich nicht viel. Bestenfalls war der Islam zumeist, wenn er nicht unmittelbar bedroht wurde, toleranter gegenüber Andersgläubigen und, noch wichtiger, -denkenden.
    Und reden dann Christen vom Frieden, dann berufen sie sich ausschließlich auf Jesus Christus zuschreibbare Aussagen. Die Friedfertigkeit des Christentums lässt sich aus seiner Praxis nun einmal nicht erkennen – Aber selbst ein Blick in das alte Testament ist dann, wie Ihnen bewusst ist, Herr Staratschek, sehr, sehr gefährlich.
    Und nein, es sind nicht „die Christen“, ebenso wenig wie es „die Moslems“ sind. Das sind zum Teil Menschen von hoher persönlicher Ethik. Aber wer einen Gerlich (der wohl konvertiert, nun aber beim besten Willen kein Geistlicher war, sondern ein Student der Naturwissenschaften) zu Recht zitiert, der darf deswegen nicht vergessen, dass die katholische Kirche selbst nur Tage brauchte, um nach dem Einmarsch in Polen in einem gemeinsamen Hirtenbrief der Bischöfe die katholischen Soldaten der Wehrmacht aufzufordern, ihre Pflicht zu tun.
    Da ist Raum für Verbrechen, wie sie Breivik begangen hat.

  4. Felix Staratschek

    Wer in seiner ideologischen Verwandtschaft Pol Pott und Stalin hat, sollte vorsichtig sein beim Argumentieren, auch wenn man sich Verwandte nicht aussuchen kann. Wenn wir uns gegenseitig die negativen Seiten der Geschichte unserer Weltanschauungen um die Ohren schlagen, kommen wir nicht weiter. Aber wir müssen zu den Fehlern in unserer Geschichte stehen, deren Ursachen suchen, um künftig solche Entwicklungen auszuschließen.

    Einiges habe ich oben schon geschrieben und will es nicht wiederholen. Nur soviel: Christentum und Islam haben in Phänotyp Gewalt gezeigt. Dafür gab es unter Papst Johannes Paul II im Jahr 2000 ein Schuldbekenntnis. Schon in den Jahren davor hatte der Papst über 90 mal die Vergehen bedauert, die von christlicher Seite ausgingen. Als Zwangsarbeiter unter den Nazis im Steinbrauch, als Untergrundschauspieler im illegalen Theater, als Schüler eines theologischen Untergrundseminars und später als Priester und Bischof in einem von Stalin „befreiten“ Polen hat er faschistische und stalinistische Diktaturen aus eigener Anschauung kennen gelernt.
    Fakt ist, dass es bis zur sogenannten Machtergreifung 1933 die katholischen Gebiete am resistentesten gegen die Nazi- Ideologie waren. Danach stand man unter der Herrschaft der Diktatur und musste einen Weg des Überlebens finden. Ob das immer alles richtig war, ist eine andere Frage. Vor allem Kardinal Bertram aus Breslau, der zwar kein Nazi- Anhänger war, hat es mit einer Beschwichtigungsstrategie versucht, die ich ablehne. Aus Münster und München waren da mutigere Stimmen zu hören (Faulhaber, von Galen).
    Der Islam als Lehre – nicht die Muslime als Individuen – hat die Gewalt leider auch im Genotyp! Sie wurde vom Gründer praktiziert! Toleranz war dort Strategie! Am Anfang waren die Muslime noch relativ schwach! Sie erlaubten nach der Eroberung den unterworfene Völkern, sich in ihrer Sprache weiter zu verwalten, wenn sie die Abgabe an den islamischen Herrscher zahlen. Aber das war nur vorübergehend, um den Widerstandsgeist zu brechen mit goldenen Fesseln. Je mächtiger die Muslime wurden, um so mehr wurden die unterworfenen Völker bedrängt. Und gegen die Nachbarvölker wurde ständig Krieg geführt, wenn man dazu in der Lage war. Das ist der Urislam, den man mit dem Urchristentum vergleichen muss. Sure 2.110, geoffenbart zur Anfangszeit in Medina sagt den Muslimen, dass diese den Schriftbesitzern nooch vergeben sollen. Aber dies nicht für eine unbegrenzte Zeit, sondern nur, bis Allah seine Entscheidung befiehlt. es wird also schon angekünigt, dass Allah etwas mitteolen will, was als Befehl kommen wird. Und das steht in Sure 9.29, wo die Schriftbesitzer bekämpft werden sollen, bis sich diese unterwerfen.
    Die Friedfertigkeit des Christentums lässt sich aus der Botschaft der Evangelienberichte erkennen, aus den Bemühungen eines Las Cassas für die Menschen in Südamerika, aus dem Engagement der Jesuiten (also der gebildetsten Katholiken ihrer Zeit) für ein gutes Staatswesen in Südamerika, aus dem erfolgreichen Einsatz des Protestanten Wilberforce gegen die Beteiligung Englands am Sklavenhandel, aus den Friedenbemühungen Papst Benedikts XV im 1. Weltkrieg und aus der Rettung der meisten Juden Roms durch Papst Pius XII. Zum Islam muss man feststellen, dass dieser wesentlich mehr bedroht hat, als er bedroht wurde. Ohne die Unterdrückung der Christen im heiligen Land durch Al Hakim wäre es vielleicht nie zu den Kreuzzügen gekommen, denen es nie darum ging, die gesamte islamische Welt zu erobern, sondern nur darum, freien Zugang zu heiligen Stätten zu bekommen. Dass die Gewalt dann ausartet oder das gruppendynamische Prozesse den Anliegen der Kreuzzugsprediger wiedersprachen, ist eine ganz andere Sache. Fakt ist, das damals Gewalt auf allen Seiten groß war, weil man Gefangene nur am Leben ließ, wenn man die auch versorgen konnte. Und dazu waren damals weder Saladin noch die Kreuzritter in der Lage. Bildung war damals Mangelware, Bücher wurden von Hand geschrieben auf dünne Tierhäute und für eine Bibel war ein Schreiber ein Jahr lang beschäftigt!
    Brevik selber hat sich in seinen Aussagen doch vom Christentum distanziert. Er hat sich aus verschwörungstheoretischen weltlichen Quellen sein Weltbild zusammen gebraut und sich in die Näher einer Freimaurer- Loge gestellt. Warum spricht keiner vom Attentäter mit freimaurerischen Hintergund? Wahrscheinlich weil auch die solche Aktionen mit ihren Lehren nicht vereinbaren können, hoffe ich zumindest, weil ich da nichts weiß. Und gegen solche Geisteskranken sind wir immer machtlos, wenn die aus ihrer verborgenen Gedankenwelt hervortreten und dies in die Tat umsetzen.

    Es kann christlich fundamentalistische Attentäter geben. In einigen Regionen müssen auch Christen noch Toleranz lernen, wenn z.B. die Homosexuellen ihren Christopher Street Day begehen wollen. Da darf zwar jeder gegen demonstrieren (Meinungsfreiheit!), aber Gewalt ist auch da schlecht. Im Fall Brevik kann ich aber keinen christlichen Hintergrund erkennen. Und aus katholischer Sicht, wird Homosexualität nicht gut geheißen, aber der Katechismus fordert einen toleranten Umgang mit denen, die so leben wollen. Aber auch hier oder bei Attentaten gegen Abtreiber verstoßen Christen, die Gewalt anwenden gegen die Botschaft Jesu.

    Akut ist es aber auch so, dass überzeugte Christen unter der Intoleranz anderer Gruppen leiden:
    -In England dürfen katholische Adoptionsagenturen nicht die Vermittlung von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare verweigern und haben deshalb die Pforten geschlossen! Warum? Können die Homosexuellen nicht weltliche Agenturen nutzen oder selber welche Gründen?
    -In Österreich werden Lebenschützer von gekauften Störeren attackiert, ihre Büros angegriffen und friedliche Beter auf der Straße als Stalker verurteilt, die den abtreibungswilligen Frauen Hilfen anbieten wollen, um das Leben des kleinen Kindes zu retten. Bin ich auch schon ein Stalker, wenn ich Unterschriften für die Wahlzulassung sammele und dabei alle Passanten wochenlang samstags anspreche, eventuell offensiver, als es die Beter tun?

    Hier wird die Meinungsfreiheit und Gewissnesfreiheit mit Füßen getreten. Und Gewissensfreihit hat immer da Grenzen, wo die Grundrechte anderer betroffen sind.

    Ich sehe durchaus bei manchen Christen noch Nachholbedarf in Sachen Gewaltfreiheit, aber es sind Minderheiten, die gegen das Vorbild ihres Stifters oder den Katechismus verstoßen, genauso wie die Linken sich wohl kaum mit kommunistischen Gewalttätern gleichsetzen wollen und hoffentlich die Texte der sozialistischen Tradition einer historischen Lesart unterziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.