DIE LINKE, antiklerikal? Na klar!

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Oberberg-Aktuell (LINK) berichtete heute, dass DIE LINKE im Stadtrat Gummersbach in einem Brief die Verpflichtung von Hagen Rether zu einer Sonderveranstaltung scharf kritisiert hätte. Das ist so zwar nicht richtig, denn es handelt sich meiner Kenntnis nach nicht um einen Fraktionsbeschluss. Aber zu den wenigen dem Presseartikel zu entnehmenden Auszügen des Briefes nahm Felix Staratschek, Mitglied der erweiterten Fraktion der AL im Rat der Stadt Radevormwald (ansonsten bei der rechts-ökologischen ödp aktiv), auf Oberberg-Aktuell verwundert Stellung:

„Ich wusste gar nicht, dass die Linken antiklerikal sind! ich dachte immer die sind politisch. das klerikale ist religiös. …“

Hierzu will ich dann doch meinerseits mal in einem offenen Brief ein paar Dinge klar stellen.

Weiter schrieb Staratschek:

„… Rether kann geschickt mit der Sprache umgehen. Aber manchmal merkt man, dass er keine Ahnung hat, vor allem, wenn es um das Klerikale geht. Leute, die auch keine Ahnung haben, finden dass dann lustig! Dass die Linken Rether kritisieren, weil sein Auftritt ein Schlag ins Gesicht aller antiklerikalen Demokraten sei, wundert da schon sehr. Katholischen Klerikern ist parteipolitisches Engagement verboten, allenfalls Pastorentöchter, die es weit gebracht haben, könnten die Linken zur Weißglut bringen. Aber das tut diese Dame auch bei vielen Klerikalen.

Leider wird hier nicht deutlich, was die Linken genau kritisieren. Bei Youtube ist auch Rether für jeden erlebbar.“

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Sehr geehrter Herr Staratschek,

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wir LINKEN wollen eine klaren Trennung von Kirche und Staat, sind also in diesem Sinne Agenten der Sekularisierung, und damit der Interessen der Kirchen halber diesen gegenüber, soweit es das betrifft, feindlich eingestellt; unserem Anliegen steht der praktische Weltherrschaftsanspruch des Heiligen Stuhls eben unwesentlich entgegen.

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Und natürlich dürfen katholische Geistliche bei dem Kampf um besagte Weltherrschaft kein parteipolitisches Engagement entwickeln. Dabei kämen sie in Berührung mit (wenigstens bürgerlich-)demokratischen Wahlen; etwas, das aus Sicht der katholischen Kirche in der Praxis höchst unchristlich ist. Gott entscheidet solche Dinge. Das Christentum ist in keinem Aspekt demokratisch, sondern an autoritären Prinzipien orientiert. Es ist aber auch nicht wesentlich, wie ich politische (also gesellschaftliche) Macht (oder Gewalt) ausübe. Wichtig ist, dass ich es anstrebe.

Da geben Sie selbst ein gutes Beispiel, wenn Sie den schwindenden Einfluss christlicher Moral in der Gesellschaft beklagen. Denn wer den schwindenden Einfluss beklagt, der will den wachsenden Einfluss offensichtlich haben. Gerade aber diesen repressiven, jeden Fortschritt und Freiheit hemmenden Einfluss will DIE LINKE nicht.

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Da wir, noch schlimmer, in der Tradition der Aufklärung stehen, beziehen wir nicht nur Stellung gegen staatlich finanzierten Okkultismus (wie den „Religionsunterricht“), sondern schütteln sogar den Kopf, wenn mal wieder ein katholischer Pfaffe vergewaltigte Kinder wegen Abtreibung ächtet.

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Soviel zu Ihnen.

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Zum Brief meines Genossen Spisla will ich mich an dieser Stelle nicht äußern, denn es ist seine persönliche Meinung. Das hat er in dem Anschreiben meiner Ansicht nach auch deutlich gesagt. Und seine persönliche Meinung lasse ich ihm natürlich. Die Formulierung in der Presse, es handele sich um einen Protest der Fraktion in Gummersbach, ist so jedenfalls nicht richtig. Der Stadtverwaltung liegt der Brief auch noch nicht vor, was daran liegen dürfte, dass die zuständige Fachbereichsleitung erst morgen wieder im Hause ist.

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Mit freundlichen Grüßen

gez.

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~ Fritz Ullmann

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PS: Sollten Sie Sich nun befleissigt fühlen, mich als Mitglied der KPF einen Neo-Stalinisten zu schelten, steht Ihnen das frei – aber ich würde mich grausam mit dem Adjektiv „neo-mittelalt“ zu rächen wissen!

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PPS: Würdest Du auf einen alten Mann mit langem Bart hören, der Dir seinen richtigen Namen nicht verraten will, wenn es um Angelegenheiten von öffentlicher Bedeutung geht? Eben. Wenn Du willst, dass sich etwas ändert, geh‘ wählen – nicht beten.

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