Militaristische Beeinflussung von Kindern in der Gemeinschaftsgrundschule Gummersbach-Bernberg

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In der Gemeinschaftsgrundschule Bernberg in Gummersbach läuft seit 2011 das Projekt „Schutzengel für Afghanistan“, mit dem die Lehrerin Mechthild Sülzer Erst- und nun Zweitklässler in unverantwortlicher Weise an den Afghanistan-Krieg heranführt.

Nicht nur werden im Sachkundeunterricht, dem Grundschul-Äquivalent der geistes- und naturwissenschaftlichen Fächer, Schutzengel für die Soldaten in Afghanistan gebastelt, mittlerweile werden die Soldaten in einem morgendlichen Gebet der Schüler bedacht und der Afghanistan-Krieg in den täglichen Lehrplan der Schüler integriert. Die Bundeswehr ist hellauf begeistert von dieser kostenfreien Werbung und berichtet selbst von einer Unterstützung für das Projekt bis 2014 – bis die betroffenen Kinder die Schule verlassen – und denkt mit Frau Sülzer bereits über Besuche der Kinder bei der Truppe nach.

DIE LINKE steht entschieden gegen jede Form von Militarismus. Das hier bereits 6- und 7-Jährige Kinder für den Krieg, für die Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung, beeinflusst werden erschreckt uns. Dass dies innerhalb des normalen Schulbetriebs einer oberbergischen Grundschule möglich ist, kann nur als sehr gefährlich – und keinesfalls pädagogisch – betrachtet werden.

Wir fordern, das militaristische Treiben in der Grundschule umgehend zu beenden! Das all dies zusammen mit einer religiösen Beeinflussung der Kinder erfolgt, zumal – dies entnehmen wir der Berichterstattung der Bundeswehr – außerhalb des Religionsunterrichts, macht die Angelegenheit aus unserer Sicht nur schwerwiegender. Zu den angedachten Besuchen der Kinder bei Veranstaltungen der Bundeswehr darf es nicht kommen! Deshalb wenden wir uns in einem Schreiben an die Grundschulleitung, das Schulamt, die Bezirksregierung und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Wir fordern die Schulleitung auf, umgehend zu handeln und zu erklären, wie dieses Projekt mit dem Leitbild der Schule, welches u.a. respektvolles Miteinander, gegenseitige Achtung und Gewaltfreiheit als Grundsätze der Schule bezeichnet, vereinbar ist.

Mein o.g. Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Mitglied des erweiterten Kreisvorstandes der LINKEN Oberberg und Mitglied des Koordinierungsrats der Landesarbeitsgemeinschaft „Laizismus“ der LINKEN NRW. Ich sende dieses Schreiben ebenfalls an das Schulamt in Gummersbach, die Bezirksregierung in Köln und die GEW.

Durch die Berichterstattung der Bundeswehr selbst wurde ich auf das Projekt „Schutzengel für Afghanistan“ aufmerksam, welches die Lehrerin Frau Mechthild Sülzer an Ihrer Schule im Jahr 2011 mit Schülern der ersten Klasse begonnen hat. Hierbei wurden nicht nur im Sachkundeunterricht „Schutzengel“ für die Soldaten in Afghanistan gebastelt, auch lässt Frau Sülzer die Kinder regelmäßig für die Soldaten in Afghanistan beten. Weitere Aktionen, die selbst den Besuch der Kinder bei Veranstaltungen der Bundeswehr mit einschließen, sind laut Bundeswehr geplant. Die Bundeswehr wird hier eindeutig hervorgehoben und der Krieg positiv belegt. Auf der Internetseite Ihrer Schule habe ich keine weiteren Informationen zu diesem Projekt gefunden.

Nach allem Anschein setzt sich Frau Sülzer völlig unkritisch mit dem Afghanistan-Krieg auseinander bzw. bewirbt den Einsatz der Bundeswehr offen. Des Weiteren wird dies mit religiösen Betätigungen verbunden, die im Sachkundeunterricht einer Grundschule, wie Ihnen bewusst ist, grundsätzlich nichts zu suchen haben. Insofern richtet sich Frau Sülzers Engagement auch gegen die Religionsfreiheit.

Ansonsten lässt das Projekt auch nicht erkennen, wie den Kindern hierdurch die Fähigkeit zu kritischem Denken vermittelt werden soll. Im Gegenteil ist dieses Projekt wohl eher geeignet, ein undifferenziertes und einseitiges Bild in den Kindern zu fördern und diese zu einer unkritischen Annahme der Bundeswehr und somit, zwangsläufig, der Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zu animieren.

Wie vereinbaren Sie ein derartiges Projekt mit dem Leitbild Ihrer Schule, in dem Sie respektvolles Miteinander, gegenseitige Achtung und Gewaltfreiheit als Ihre Grundsätze bezeichnen? Wissen die Eltern der betroffenen Kinder von dem, was mit ihren Kindern in Frau Sülzers Unterricht gemacht wird?

Ich fordere Sie dringend auf, die Befähigung von Frau Sülzer zu prüfen und keine weiteren Aktionen in dieser Richtung zuzulassen. Als Pädagogen sind Sie Sich darüber im Klaren, welche Auswirkung es auf Kinder in diesem jungen Alter haben kann, wenn sie zu Werbeveranstaltung der Bundeswehr eingeladen werden, wie bereits von Frau Sülzer und der Bundeswehr angedacht.

Es ist dringend notwendig, zu prüfen, in wie weit die Entwicklung der Kinder durch diese Einflüsse negativ beeinträchtigt wurde oder gar Schaden genommen hat, um hier entgegenwirken zu können.

Für eine zeitnahe Antwort wäre ich dankbar und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Fritz Ullmann

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