Beschneidung: Zwischen religiösem Eifer und einfacher Dummheit

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An indifferenzierten Stellungnahmen mangelt es in diesen Tagen im Zusammenhang mit der Beschneidungsdebatte leider gerade von Vertretern der jüdischen Glaubensgemeinschaft nicht. Die Europäische Rabbinerkonferenz erklärt sogar die Menschenrechte für antisemitisch.

Das Gremium befasste sich mit rund 40 Rabbinern naturgemäß auch mit Frage der Beschneidung (also im Klartext: der religiös motivierten Misshandlung von Kleinkindern, wie die deutsche Kinderhilfe das Beschneidungsritual treffend nennt). Um das Recht, den eigenen Kindern schaden zu dürfen, durchzusetzen, wird nicht nur der Holocaust bemüht. Hierzu hatte sich bereits der Landesrabbiner der israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Netanel Wurmser, ausgelassen: „Das weckt Erinnerungen an schlimmste Szenarien jüdischer Verfolgung…“, so zitiert ihn der Focus.

Den Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Kindern mit der systematischen Ermordung von Millionen Menschen jüdischen Glaubens (und noch diverser anderer) in Verbindung zu bringen, ist – nun, sagen wir, es erscheint ein wenig maßlos. Dennoch ist kein Vergleich so beleidigend, selbstschädigend und absurd, dass sich in diesen Tagen nicht noch ein heiliger Mann fände, er es noch besser könnte.

Dieser Mann heißt Pinchas Goldschmidt, ist Rabbiner aus Moskau und Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz. Seine Meinung: „Die neue Sprache des Antisemitismus ist die Sprache der Menschenrechte.“ Und damit hat er dann auch deutlich klar gemacht, wessen Geistes Kind er persönlich ist.

Eine solche Aussage in diesem Zusammenhang zu treffen ist nicht minder schändlich, wie der Vergleich mit der Judenverfolgung im Dritten Reich. Wohlgemerkt, es geht schließlich immer noch um das unterstellte Recht der Körperverletzung am eigenen Kinde.

Dieser Geisteshaltung treu ruft ein Rabbiner der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, mit Namen Avichai Apel, auch vorsorglich zum Rechtsbruch auf. „Keiner von uns kann warten, bis Karlsruhe entscheidet.“, und so fordert man dazu auf, mit den religiös motivierten Misshandlungen (man kann es nicht oft genug beim richtigen Namen nennen) in jedem Fall weiterzumachen.

Da bleibt uns nur, die Justiz dazu aufzurufen, die Körperverletzung an Kindern auch weiter zu verfolgen – Und vielleicht sogar etwas konsequenter als im Fall, den das Landgericht Köln in zweiter Instanz behandelt hatte, und dem wir diesen ganzen Aufstand verdanken. Der betroffene Arzt ist ja nicht einmal verurteilt worden, weil er nach Auffassung der Richter sein Unrecht nicht erkennen konnte. Die Autofahrer unter Ihnen werden wissen, wie viel es deutschen Richtern gewöhnlich bedeutet, wenn man glaubhaft versichern kann, ein bestimmtes Verkehrsschild gar nicht gesehen haben zu können.

Zum Glück sind derartig dumme und gefährliche Aussagen wie die oben zitierten eben nicht repräsentativ für die jüdische Gesellschaft in Deutschland. Dennoch täte es wohl, wenn sich zeitnah ein paar namhafte Vertreter der jüdischen Gemeinde fänden, die diesen Irrläufern gehörig widersprechen und sich von derartigen Aussagen deutlichst distanzieren.

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